Editha schimpft

Skandal im Dombezirk

Volksstimme würdigt Domprediger Quast in Sonderbeilage
"Ein Gottesmann und Menschenfreund"

In ihrem Rückblick auf den Magdeburger des Jahres 2002 erinnert Volksstimme-Redakteurin Katja Tessnow an die Verdienste, die Giselher Quast für die Menschen der Stadt Magdeburg erworben hat. Dabei fasst sie auch die Ereignisse des Jahres 2011 zusammen, die beinahe zu seiner "Vertreibung aus dem Amt" führten. Sie spekuliert, dass die Ursachen für die innerkirchlichen Angriffe "auch in dem Quast-Credo von einer Verteidigung der Kirche als Schutzraum für Ohnmächtige und Schwache wider Bestrebungen führender Eliten, die vordersten Bänke in Kirchen für sich zu vereinnahmen, bzw. die Wortführerschaft in Kirchengemeinden zu erringen" gelegen haben. Der Beitrag endet mit einem Quast-Zitat: "Die, die mir 2002 ihre Stimme bei der Wahl zum Magdeburger des Jahres gaben, haben mich auch durch diese schwere Zeit getragen."

Quelle: "2002: Ein Gottesmann und Menschenfreund. Domprediger Quast steht bewegten Bürgern zur Seite." Magdeburger des Jahres 200 Helden des Alltags - 100000 Leserstimmen. Eine Sonderveröffentlichung der Volksstimme. 11. Januar 2012, S. 7.

Jahresende 2011
Ausgezählt

Mit dem Silvestertag endet das Jahr 2011. Die Menschen, die die Kampagne gegen den Magdeburger Domprediger verfolgt haben, schauen mit Erleichterung auf die Entwicklungen eines schwierigen Jahres zurück, in dem die geplante Absetzung von Giselher Quast abgewendet werden konnte. Mit ihrem beherzten Engagement sorgten Mitglieder der Domgemeinde und andere aktive Bürger der Stadt für den Verbleib des Pfarrers in seinem Amt.

Anstelle von Quast räumten seine Widersacher ihre Stühle: Ex-Personaldezernent Frühwald verzog sich in den Westen und seine Gefolgschaft im Gemeindekirchenrat quittierte darauf ebenfalls den Dienst. Angesichts der Unverfrorenheit und Kaltblütigkeit des Angriffs auf den Geistlichen stellt sich zum Jahresende ein Gefühl von Genugtuung ein.

So ist es nun an der Zeit, die editha-Uhr des Schweigens anzuhalten. 434 Tage nachdem Stadträte der Grünen in einem Offenen Brief gegen das Vorgehen der Kirchenleitung in der Sache Quast protestierten, ist nicht mehr zu erwarten, dass sich die angesprochene "erste Dompredigerin, Bischöfin Junkermann" positioniert. Am Silvestertag 2011 gilt noch immer, was Sören Herbst und seine Kollegen im Oktober 2010 schrieben: "Die Bischöfin steckt den Kopf in den Sand . . . Personelle, aber auch geistliche Führungskompetenz sieht anders aus." Und mit Sören Herbst warteten viele andere Magdeburgerinnen und Magdeburger vergeblich auf eine Antwort aus dem Bischofsamt.

Wer darüber enttäuscht ist, findet nun ein Trostwort von der EKM-Glaubensführerin: Man soll eben von hochgestellten Persönlichkeiten einfach nicht so viel erwarten. Wenn diese "Vorbilder" die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllten, so ist der Realitätssinn der Beobachter nicht richtig ausgeprägt. "Es ist gut, wenn wir da enttäuscht werden", erklärt Junkermann ihrem Kirchenvolk.

Ein wenig unfein vielleicht, aber doch treffsicher entdeckt dpa-Journalistin Silke Katenkamp ein eigenes Motiv in dieser Bundespräsident Wulff gespendeten General-Absolution für Spitzenfunktionäre. Junkermann, so erinnert Katenkamp, ist "in diesem Jahr selbst in die Kritik geraten. Die Deutsche Umwelthilfe hatte ihr . . . vorgeworfen, zu große Dienstwagen mit einem zu hohen Kohlendioxidausstoß zu fahren." Lag es da vielleicht, so könnte ein Schelm fragen, an der mangelnden ökologischen Grundhaltung der Bischöfin, dass die von der EKM 2011 initiierte Kampagne "Klimawandel-Lebenswandel" scheiterte und nicht einmal 70% des vorgegebenen Einspar-Wertes erreichte? Aber das nahm man nicht so ernst. Die Kirche war trotzdem "zufrieden mit dem Verlauf der Kampagne".

Dabei wussten die Junkermann-Limousinenkritiker allerdings nicht, dass die Kirchenführerin das Fahrzeug auf "ärztlichen Rat" ausgewählt hatte. Der große BMW hat nämlich eine Lehne auf dem Rücksitz. Die ist "rückenfreundlich und verstellbar". Dadurch kann bei den vielen Dienstfahrten "der Gefahr eines Bandscheibenvorfalls" vorgebeugt werden, erklärte die geschundene Vielfahrerin. Und weil Frau Landesbischöfin lieber arbeitsfähig bleiben wollte, hat sie ihre "Gesundheit gegen die Umweltverträglichkeit des Autos" abgewogen und musste dann konsequenterweise auf das größere Auto umsteigen. Die Leserbriefschreiber bei thüringer-allgemeine.de konnten das Argument des "BMW auf Rezept" allerdings nicht gut nachvollziehen.

Die Bischöfin ist solchen Kummer gewohnt. Gelegenheiten zum Nachdenken über ihre unausgefüllte Vorbildrolle hat es für sie anlässlich öffentlicher Fehltritte seit ihrem Dienstantritt im September 2009 schon mehrmals gegeben. Vor dem Unmut über unbeantwortete Briefberge und dicke Dienstlimousinen hatte ihre Nominierung als Wahlfrau für die Bundesversammlung 2010 für Ärger gesorgt. Damals ermahnte sie ein FDP-Bundestagsabgeordneter, dass sie keine "Parteibischöfin" sein dürfe. Junkermann entschied sich wenig später, nicht als Wahlfrau zu agieren.

Den größten Aufschrei provozierte die aus Baden-Württemberg stammende Bischöfin allerdings, als sie pünktlich zum herannahenden Fest der Liebe im Advent 2009 Stasi-Opfern empfahl, sich mit den damaligen Tätern versöhnen. Bürgerrechtlerin Heidi Bohley warf Junkermann vor, "ganz großen Unsinn zu erzählen" und auch der Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Gerhard Ruden sowie Wolfgang Ruske von der Gedenkstätte Grenzmuseum Schifflersgrund kritisierten die Äußerungen scharf.

Welche Brisanz die bischöfliche Aufforderung zur Feindesliebe tatsächlich hatte, ist der kirchlichen Würdenträgerin in den vergangenen zwei Jahren allerdings bewusst geworden. So bekannte sie anlässlich einer von der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft veranstalteten Podiumsdiskussion im November 2011, dass sie ihre Äußerungen zum Thema Versöhnung in Kreisen von Opfern der SED-Diktatur "heute anders tätigen" würde. Für 2012 wünscht man der Landesbischöfin viele solcher schönen Einsichten.

Leserbrief in der Magdeburger Volksstimme, 18. Oktober 2011
Sieg geht über die Domgemeinde weit hinaus

Zu: "Ein Sieg der Domgemeinde" und zum Kommentar "Alle Seiten sind beschädigt", Volksstimme vom 15. Oktober:
Die Einstellung des unsäglichen Abberufungsverfahrens gegen Domprediger Quast ist nicht nur ein Sieg der Domgemeinde, sondern aller Magdeburger, die um sein Wirken in den Zeiten der Wende wissen und ihm durch sein besonnenes, Mut machendes Auftreten viel zu verdanken haben.

Das ist natürlich für Herrn Frühwald und Bischöfin Junkermann völlig unerheblich, obwohl beide ihre heutigen Positionen letztlich auch dem Einsatz von Herrn Quast verdanken.

Die Meinung der Kommentatorin, alle Seiten seien beschädigt, muss ich insofern korrigieren, als dass Domprediger Quast vor allem erheblichen seelischen Schaden genommen hat, die anderen an der Auseinandersetzung um die ominöse "Ungedeihlichkeit" führend Beteiligten haben sich selbst geschadet (die neue Tätigkeit von Herrn Frühwald ist ja kaum ein Karrieresprung) und darüber hinaus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands einen erheblichen Schlag versetzt.

Ich wünsche Herrn Quast viel Kraft und in einer gewissen Zeit auch wieder Freude in seiner angestammten Tätigkeit als.Domprediger.

Dr. Heike Etzold, Magdeburg

Magdeburger Volksstimme meldet:
Ein Sieg der Magdeburger Domgemeinde

In der Samstagausgabe der Volksstimme (15.10.2011) berichtet Redakteurin Silke Janko ausführlich über die Einstellung des Abberufungsverfahrens gegen Domprediger Giselher Quast.

Darin blickt sie auf einige Stationen der unrühmlichen Affäre am Dom zurück und erinnert daran, dass die Kirchenleitung "mit Berufung auf das Dienstgeheimnis nie im Detail erklärte, worum es in den Vorwürfen gegen" Pfarrer Quast tatsächlich ging. In ihrem Bericht zitiert sie auch einen Kommentar von Bürgerrechtler und Pfarrer i.R. Hans-Jochen Tschiche mit den Worten:

"Die Entscheidung ist hervorragend, die Begründung ist besch... Das ist die ganz persönliche Niederlage von Frühwald."

Gleichzeitig korrigiert Frau Janko den Inhalt der Pressemeldung, die die EKM am Freitagmittag auf ihrer Webseite veröffentlicht hatte. Dort war behauptet worden, dass Pfarrer Quast "seine Klage gegen den Vergleich vor dem kirchlichen Verwaltungsgericht verloren" habe. Janko stellt richtig, dass die Klage am 6. September 2011 abgewiesen wurde, "weil zwischenzeitlich ihre Grundlage abhanden gekommen war. Die Kirchenleitung hatte im Verfahren erklärt, dass die Vereinbarung mit Quast von Anfang an nichtig ist".

In ihrem Kommentar geht die Volksstimme-Redakteurin hart mit der Kirchenführung ins Gericht. Die Kirchenoberen hätten eine "wenig hilfreiche Rolle gespielt". Ihr Versagen bestand darin, dass sie nicht in der Lage waren, "in den Konflikt moderierend einzugreifen", im Gegenteil: ihr Agieren habe die Problematik sogar noch verschärft.

Quellen:
Silke Janko, "Ein Sieg der Magdeburger Domgemeinde" und "Alle Seiten sind beschädigt", Magdeburger Volksstimme, online 15.10.2011


Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs | Pommersche Evangelische Kirche berichtet:
"Von Abberufung bedrohter Magdeburger Domprediger Quast bleibt im Amt"

Artikel aus der Volksstimme als Scan von der Seite des Evangelischen Kirchspiels Kusey (nicht mehr online)

EKM stellt Abberufungsverfahren gegen Pfarrer Quast ein

Wie die Internetseite der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands am 14.10.2011 meldete, stellt das Landeskirchenamt das seit September 2010 angestrengte, zwischenzeitlich aber ruhende Abberufungsverfahren gegen Domprediger Giselher Quast nun endgültig ein.

"Keine der an den Anhörungen beteiligten Personen hat jedoch eine Abberufung von Pfarrer Quast als eine sinnvolle Lösung für die Domgemeinde gehalten." Das ist die wesentliche Aussage in einer Pressemitteilung, die ansonsten in umständlicher Wortklauberei versucht den Eindruck zu erwecken, dass dem Verfahren ein konkreter Sachverhalt zugrunde lag. Aufmerksamen Beobachtern des Vorgangs ist hingegen seit langem klar, dass der Domprediger mit den groben Werkzeugen der Kirchenadministration und dem Methodenrepertoire des Mobbingmeisters aus seinem Amt entfernt werden sollte.

Den Tiefpunkt in dieser plumpen und so durchsichtig tendenziösen Darstellung bildet die Stellungnahme des abtretenden Personaldezernenten Frühwald. Auch nachdem das Leitungsgremium der EKM seiner Absetzungsinitiative nun eine Abfuhr erteilt hat, betreibt er weiterhin verbissen seine Schmierkampagne gegen den Domprediger und beschuldigt ihn, "einen entscheidenden Anteil" daran gehabt zu haben, "dass die aufgetretenen Konflikte nicht bewältigt werden konnten". Gleichzeitig bemüht er sich um eine Rehabilitierung seiner Komplizen aus der früheren Besetzung des Gemeindekirchenrates. Ihnen sei "hoher Respekt dafür zu zollen, dass sie bei allen nicht immer sachlichen, sondern auch persönlichen Angriffen durch Pfarrer Quast und auch durch seine Befürworter in der Gemeinde, das Wohl der Gemeinde nie aus dem Blick verloren haben". Gemeint ist die Frühwald-Fraktion, die noch nach ihrem kollektiven Rücktritt eine schriftliche Abrechnung mit Pfarrer Quast in einer Form zirkulierten, die bei der Kirchenzeitung Glaube + Heimat auch einen öffentlichen Niederschlag fand.

Alle, die mit dem Verlauf der Domaffäre vertraut sind, erkennen den hier angeschlagenen Ton als freche Fälschung der tatsächlichen Verhältnisse und werden die Aussage als neuerlichen Ausdruck der problematischen charakterlichen Disposition des Personalverwalters zu werten wissen. Es bleibt nun allein der Trost, dass dies das letzte Manöver eines Mannes war, der aufgrund der fehlenden fachlichen Qualifikationen und einer instabilen Charakterstruktur nie über die Qualitäten verfügte, die zur verantwortungsvollen Ausübung eines überaus wichtigen Amtes erforderlich gewesen wären. Am Ende des Monats tritt er zur Erleichterung vieler die Reise in den Westen an.

Rückendeckung für Briefeschreiber
Berliner Pastor belehrt Edithaschimpft über Nächstenliebe

Die ursprüngliche Version des Eintrags über die schriftliche Erklärung der zurückgetretenen Schwestern und Brüder des Gemeindekirchenrates, die in die Hände der Redaktion von Glaube + Hoffnung gelangt war, rief einen Berliner Pastor auf den Plan: Die ehemaligen Kirchenältesten hätten es nicht verdient, in Anführungszeichen gesetzt zu werden. Sie waren, so der Theologe, "Menschen, die sich für die Ev. Kirche nach bestem Gewissen engagiert haben". Ihr Brief sei, so spekuliert er, möglicherweise "ohne Einverständnis der Verfasser" an die Kirchenpostille gelangt. Der engagierte Kirchenmann, der nach eigenen Angaben als Begleiter und Berater  über eine gute Kenntnis aller Vorgänge verfügt, äußert sich sehr ausführlich bei Edithas Kommentaren.

Glaube + Heimat erhält einen Brief
Ehemalige GKR-Mitglieder nennen Missstände als Grund für ihren Rücktritt*

Wer gedacht hätte, dass nach dem angekündigten Rückzug von Personaldezernent Frühwald und den darauf folgenden Rücktritten im GKR  Ruhe und Frieden in die Magdeburger Domgemeinde einziehen würde, muss nun wieder bangen. Nachdem ein Teil der aus Laien zusammengesetzten Gemeindeleitung ihr Amt niedergelegt hatte (das Gemeindeblatt informierte unter Nennung der betreffenden Namen über den Vorgang), berichtet nun die Kirchenzeitung Glaube + Heimat von einem Brief, in dem die Aussteiger Gründe für ihren Rücktritt nennen. 

In diesem Schriftstück, das auf bisher unbekannte Weise an die Zeitschrift gelangte und das nicht in vollem Wortlaut zitiert wird, beklagen die Verfasser unter anderem "personelle Konflikte" und "mangelhafte theologische Führung". Die Aussicht, dass sie nun wieder unter der Geschäftsführung von Domprediger Quast arbeiten müssten, sei "unannehmbar". Der gesamte Streit um den Pfarrer habe sie an den Punkt geführt, an dem ihnen "ein Weiterarbeiten im ehrenamtlichen Leitungsgremium der Domgemeinde unmöglich geworden ist". Zur Erinnerung: Es ist kaum acht Wochen her, seit sich dieselben Personen Mitte Juli öffentlich im Gottesdienst und in der Kirchenzeitung für den Verbleib von Quast am Dom ausgesprochen hatten.

Während der zweiseitige Brief der Redaktion der Kirchenzeitung vorliegt, wissen die einfachen Gemeindemitglieder wie üblich nichts von den Stellungnahmen der einst von ihnen gewählten Gemeindevertreter. Seit ihnen bei einer Gemeindeversammlung im Oktober 2010 eisiger Widerspruch und Rücktrittsforderungen entgegenschlugen, zogen es die Kirchenältesten vor, ihre Gemeindemitglieder über ihre Position und ihre Aktivitäten in der Sache Quast im Dunkeln zu lassen.

Angesichts der Andeutungen bei Glaube + Heimat sorgen sich Beobachter des Geschehens um mögliche Konsequenzen dieser brisanten Botschaft. Eines ist ihnen klar: Falls der Brief in seinem vollen Wortlaut konkretere Vorwürfe gegen Herrn Quast erheben sollte als es die Umschreibungen der G+H-Redaktion erkennen lassen, könnte er in Anbetracht des laufenden Abberufungsverfahrens in den Händen von kirchlichen Entscheidungsträgern eine fatale Wirkung entfalten. Darum hoffen sie nun im Stillen darauf, dass die Menschen, denen ihr scheidender Patron im Kirchenamt seinerzeit "große Umsicht und geistliche Reife" bescheinigte, ihre Stellungnahme mit geschwisterlichem Wohlwollen und in seelsorgerischer Heilungsabsicht formuliert haben.


* Der Text ist eine stilistische Revision eines früheren Eintrags zum selben Thema.

Domgemeinde Magdeburg: Rücktritte im Gemeindekirchenrat

Unter Journalisten gilt der Sommer als ereignisarme Zeit. Für die Domgemeinde Magdeburg trifft dies in diesem Jahr allerdings nicht zu. Im Zusammenhang mit der Abberufungsaffäre um Domprediger Giselher Quast spielten sich gerade in den Sommermonaten einschneidende Ereignisse ab. Nachdem die EKM am 18. August das Ausscheiden ihres Personaldezernenten, OKR Dr. Christian Frühwald, bekanntgegeben hatte, meldet das Mitteilungsblatt der Domgemeinde in seiner jüngsten Ausgabe, dass in der vergangenen Woche sieben Mitglieder des Gemeindekirchenrates (GKR) sich von ihrem Amt zurückgezogen haben.

Die Mitteilung aus dem GKR nennt keine Gründe für den Rückzug, bringt jedoch die Hoffnung zum Ausdruck, dass ein in Kürze neu zusammenzustellendes Gremium die anstehenden Arbeiten bis zum Ende der Legislaturperiode (bis 2013) gestärkt fortsetzen möge.

In ihrem Bericht zum überraschenden Ausscheiden von OKR Frühwald hatte Volksstimme-Redakteurin Silke Janko Mitte August darüber spekuliert, ob der Weggang des kontroversen Personaldezernenten mit der Affäre um Pfarrer Quast zusammenhängen könnte. Im aktuellen Fall der GKR-Rücktritte stellt sich eine ähnliche Frage: Ist nach der Abwanderung des "Quast-Widersachers" eine Frühwald-Fraktion im GKR dem Vorbild des Ideengebers gefolgt? Im Oktober 2010 hatte Frühwald diesem Gemeindekirchenrat in einer öffentlichen Erklärung "große Umsicht und geistliche Reife" bescheinigt. Möglicherweise haben diese Umsicht und Reife nun zu der Einsicht geführt, dass die Absetzung von Pfarrer Quast ohne den ehemals starken Mann im Kirchenamt nicht zu bewerkstelligen ist. 

Unterstützungsinitiativen für Pfarrer Quast im Internet

In der Amtsenthebungsaffäre um Pfarrer Giselher Quast galt Personaldezernent Christian Frühwald als aggressiver Absetzungsaktivist. Nun, da sein Wechsel an eine neue Arbeitsstelle bekannt wurde, bemühen sich Bürgergruppen darum, das von oberer Stelle beschädigte Ansehen des Dompredigers zu reparieren.

Der Gemeindekirchenrat der Domgemeinde hatte nach monatelangem Schweigen während des Gottesdienstes am 10. Juli 2011 im Hinblick auf das nahende Abberufungsverfahren öffentlich seine Unterstützung dafür zum Ausdruck gebracht, dass Quast auf seiner bisherigen Stelle bleibt.

Nun haben zwei Initiativen Internetplattformen eingerichtet, die zur Solidarität mit dem überregional bekannten und geachteten Domprediger aufrufen. Dort besteht die Möglichkeit, ein Unterstützungsvotum für den Verbleib von Giselher Quast am Magdeburger Dom abzugeben. Damit diese Meinungsäußerungen für das anstehende Verfahren wirksam werden können, muss die elektronische Stimmabgabe bis zum 12. September 2011 erfolgt sein. Die Webseiten bieten auch die Möglichkeit, mit Hilfe eines druckbaren Formulars auf herkömmliche Weise Unterschriften von Unterstützerinnen und Unterstützern zu sammeln.


www.pro-quast.de [nicht mehr aktiv]

Kontakt für Rückfragen und das Zusenden von Unterschriftenlisten (Papierform):
BI "Pro Elbe", Dr. Angela Stephan, Rübeländer Weg 10, 39118 Magdeburg.

www.dom-umfrage.de
Kontakt für die Annahme von Erklärung in Papierform:
Buchhandlung Fabularium in der Grünen Zitadelle zu Magdeburg (Hundertwasserhaus), Dorle Lange, Breiter Weg 10a, 39104 Magdeburg und Petra Claus, Jean-Burger-Straße 3, 39112 Magdeburg


Leserbriefe zum Frühwald-Abgang

Nachdem die EKM den Abschied ihres Personaldezernenten ohne größere Kundgebungen des Bedauerns bekannt gemacht hatte, beleuchtete die Magdeburger Volksstimme den Fall in einem ausführlichen Artikel an prominenter Stelle des Blattes. Darin kamen auch Spekulationen darüber zum Ausdruck, warum Dr. Frühwald seine Stellung frühzeitig verlässt. Wohlmöglich habe es damit zu tun, dass er mit der Affäre Quast nun endgültig die Grenzen des legitimen Handelns überschritten habe, die sich von der Kirchenführung tolerieren und öffentlich rechtfertigen ließen. Das Blatt verweist unter anderem auf die Webseite der Hilfsstelle für evangelische Pfarrer, auf der eine Urkundenfälschung Frühwalds sowie die Beeinflussung eines Zeugen in einem früheren Verfahren dokumentiert ist (siehe PDF-Dokument der Hilfsstelle). Edithaschimpft hatte schon vor einiger Zeit auf einige Merkwürdigkeiten der Frühwaldschen Amtsausübung aufmerksam gemacht (link).

Unzufrieden mit einem solch negativen Bild seiner Landeskirche meldete sich nun ein Superintendent aus Stendal per Leserbrief zu Wort, um kundzutun, dass ein Personalwechsel etwas ganz Normales sei und die Darstellung der Zeitung lediglich auf "Mutmaßungen" und "Hörensagen" beruhe. Dezernent Frühwald ist das Opfer, das "persönlicher Diffamierung" ausgesetzt sei. Hier der Leserbrief in voller Länge.

Lediglich ein Tag verging, bis dem Superintendenten Kleemann der Wind gleich zweier Gegenstimmen kalt und hart ins Gesicht blies: Hans-Jochen Tschiche ergänzte den Katalog der Fehltritte Frühwalds und Wolfgang Gräfe sah in Kleemanns Leserbrief einen Beitrag "auf Bestellung" der Kirchenführung und erklärte, dass eine solche "halbanonyme" Art des Eingreifens "in die öffentliche Meinungsbildung" unbedingt kritikwürdig sei.
Leserbriefe Tschiche und Gräfe, Volksstimme, 21.August 2011


Die Leserbriefe sind auch auf der der Quast-Affäre gewidmeten Seite des Evangelischen Kirchspiels Kusey dokumentiert (Seite nicht mehr online).

Friede, Frühwald, Stellenwechsel

EKM-Oberkirchenrat Christian Frühwald nimmt Abschied aus Sachsen-Anhalt, dem Bundesland, in dem er acht Jahre lang zu Gast war, die meiste Zeit davon in Magdeburger Kirchenamt. Nach einem unerklärlich rasanten Karrierestart, der ihn nach nur dreijähriger Gemeindearbeit auf den Sessel des Personaldezernenten in die Führungsebene der EKM katapultierte, erwarb er sich mit seinem markanten persönlichen Stil dort bald den Ruf eines Hardliners. Berichten von Betroffenen und Beobachtern zufolge waren die Grenzen zwischen Machtgehabe und Imponiersucht fließend, ein Phänomen, das ihn bei Personal und Pastorenschaft als Meistermobber von Magdeburg erscheinen ließ. Dabei hätte man denken sollen, er hätte mit seiner Dissertation "Den Frieden feiern. Gemeindearbeit zwischen biblischem Leitmotiv und Fest" die besten Voraussetzungen gehabt, einen Konflikt wie den am Magdeburger Dom in angemessener Weise zu lösen. "Peace is the way" ("Der Weg ist Frieden") hatte er 2003 in seiner Doktorarbeit auf Englisch ausgerufen und erklärt, es gehe bei der Friedensfindung

"um ein Bemühen, um einen kontinuierlichen Prozess, Konflikte als Teil der Wirklichkeit auch in einer christlichen Gemeinde anzunehmen, sie als Aufgabe der Gemeindeleitung in Gottesdienst und Sitzung zu verstehen und dafür einzutreten, dass die Bearbeitung in offener Weise und aufgeklärten gemeinsamen Grundlagen vollzogen wird."(Seite 225)

Als er seine Dissertation publizieren ließ, wusste Frühwald, "dass es nicht für alle Konflikte eine Lösung gibt, sondern auch Gegensätze bestehen bleiben können und z.T. auch Abgrenzungen von Positionen, nicht von Menschen, dokumentiert werden müssen." Dies sei dort erforderlich, "wo die Wahrheit beschädigt oder zerstört wird." Was die "Wahrheit" ist, sagte Frühwald mit einem Zitat von Hermann Dembowski (1995): "Wahr ist, im Rahmen der Kirche und der Theologie, was dem Gott des Friedens und dem Frieden Gottes für Mensch und Welt umfassend und konkret entspricht." Das klingt so gut, da wünscht man sich, Frühwald hätte es tatsächlich selbst geglaubt und im Streit mit Domprediger Quast, dem Gemeindekirchenrat und der Domgemeinde in praktischer Weise umgesetzt.

Nun ist sein umtriebiges Schaffen in der EKM zu Ende. Mit der von ihm angezettelten Affäre Quast habe das gar nichts zu tun, sagte er der Volksstimme. Gleichwohl: "Wer sein Amt missbraucht habe, um anderen Gewalt anzutun, dürfe dieses Amt nicht mehr ausüben" hatte Frühwald selbst einmal verkündet. Das war jedoch nicht in der Mobbingsache Quast, und man kann wohl nicht annehmen, dass er dieses Diktum auch auf sich selbst bezogen wissen wollte. Da waren es also offenbar die Talentsucher des Diakoniekrankenhauses Rotenburg/Wümme, die ihn, der nach seiner eigenen Einschätzung "einer der profiliertesten Theologen" des Landes ist, aus dem laufenden Vertrag mit der EKM herausgekauft haben. Wie die Magdeburger Zeitung zitiert, konnte Frühwald das "Angebot zu Top-Konditionen" einfach nicht ablehnen.

Die Führungsetage der EKM muss jetzt ohne ihren starken Mann auskommen. Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes, freut sich mit Frühwald über dessen Berufung. Und was bedeutet der Weggang für die EKM? Es ist "eine weitere Veränderung in den leitenden Ämtern, die zu bewältigen ist," sagte Frau Andrae auf der Webseite der EKM. "Das ist zu bewältigen" sagt man gelassen, wenn man einer lösbaren Aufgabe entgegensieht. Das wird sie sicher so nicht gemeint haben. Gewiss wollte sie zum Ausdruck bringen, die EKM müsse mit diesem schweren Verlust nun auch noch die Bürde einer schweren Besetzung eines weiteren Spitzenpostens auf sich nehmen. Denn ein Ersatz für einen "der renommiertesten Theologen" des Landes will erst einmal gefunden sein.

Was bedeutet all das für die Querelen um den Magdeburger Domprediger? In Kürze wird das Abberufungsverfahren eröffnet. Ohne den "Quast-Widersacher" (Volksstimme) stehen die Chancen möglicherweise gut, dass die Bedrohungen und Drangsalierungen nun ein Ende finden, mutmaßt die Volksstimme. Im Netz ist ob der neuen Entwicklung schon jetzt verhaltene Erleichterung zu spüren:

  • Twitterseite der Domgemeinde meldet:

  • Twitterseite Sören Herbst:

Überraschender Personalwechsel an der Führungsspitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

Quast-Widersacher verlässt Magdeburg

In den monatelangen Querelen um eine mögliche Abberufung des Magdeburger Dompredigers Giselher Quast zeichnet sich möglicherweise eine Wende ab. Sein Widersacher Christian Frühwald, Personalchef der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), verlässt überraschend die Landeskirche.

Magdeburg. Der studierte Theologe Frühwald wird ab 1. November Sprecher des Diakoniekrankenhauses in Rotenburg/Wümme in der Nähe von Bremen, teilte die Kirchenleitung gestern mit. Frühwald, der 2003 aus einem Gemeindepfarramt in Bayern als Personaldezernent in die damalige Kirchenprovinz Sachsen gewechselt war, soll nun Sprecher der Geschäftsführung und Geschäftsführer Personal werden.

Eine Volksstimme-Nachfrage in der EKM-Pressestelle, ob der überraschende Wechsel in einem Zusammenhang mit den Querelen um eine mögliche Abberufung des Magdeburger Dompredigers Giselher Quast steht, verneinte Sprecher Friedemann Kahl. "Herr Frühwald ist seit acht Jahren im Amt. Ein Wechsel ist daher ganz normal." Frühwald selbst erklärte auf Volksstimme-Nachfrage: "Solch ein Angebot konnte ich nicht ablehnen." Die Frage, ob er wegen der Querelen um den Magdeburger Domprediger seinen Posten aufgebe, verneinte er ausdrücklich. Er sei "einer der profiliertesten Theologen" und habe ein "Angebot zu Top-Konditionen" angenommen. Sein Amt als Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Johannes-Schulstiftung, die Träger von acht Schulen ist, will er allerdings weiter ausüben.

Dass Frühwalds überraschender Abgang nichts mit Quast zu tun haben soll, fällt schwer zu glauben. Der Mann aus Bayern hatte maßgeblichen Anteil, dass das Abberufungsverfahren gegen den langjährigen Magdeburger Domprediger in Gang gesetzt wurde. Das Ergebnis steht noch aus - es soll, so heißt es aus der Kirchenleitung, im September vorliegen. Zwischenzeitlich hat sich auch der Gemeindekirchenrat der Domgemeinde für einen Verbleib Quasts auf seiner Pfarrstelle ausgesprochen. Das Wort des ehrenamtlichen Gremiums hat in dem Verfahren großes Gewicht. Nicht mehr auszuschließen ist es, dass das Abberufungsverfahren scheitern könnte.

Was konkret Quast, der die Pfarrstelle am Dom mehr als 30 Jahre innehat und als eine der führenden Figuren der friedlichen Revolution in Magdeburg gilt, konkret vorgeworfen wird, hat die Kirchenleitung nie erklärt. Eine Visitationskommission hatte im Mai 2010 unter der Leitung von Propst Christoph Hackbeil mit dem Gemeindekirchenrat gesprochen. Herauskam, dass Zuständigkeiten innerhalb der Gemeinde nicht geklärt sind. Quast räumte selbst Fehler ein. Eine Abberufung von Quast hatte die Kommission ausdrücklich nicht empfohlen. Zutage trat ein Konflikt zwischen ehrenamtlichem Gemeindekirchenrat und Quast über Fragen der Geschäftsführung und Ausrichtung der Domgemeinde. Offiziell spricht die Kirchenleitung allerdings von einer "Ungedeihlichkeit der Zusammenarbeit". Allein dieser Vorwurf reicht innerhalb des Kirchenrechts aus, um einen Pfarrer aus seinem Amt zu hieven. Die Gemeindemitglieder hatten sich allerdings vehement für Quast eingesetzt - mit einer Menschenkette um den Dom, Unterschriftenaktionen und zahlreichen Briefen auch an Bischöfin Ilse Junkermann.

Frühwald selbst soll bereits im Jahr 2009 intern davon gesprochen haben, dass Quast "weg müsse". Quast musste im September 2010 unter erheblichem Druck innerhalb von 48 Stunden eine Vereinbarung unterschreiben, nach der er seine Pfarrstelle aufgeben und auf eine noch zu schaffende Stelle am Dom, mit erheblich geringeren Kompetenzen, wechseln sollte. Für Quast eine tiefe Demütigung. Als er im Februar 2011 vor dem kirchlichen Verwaltungsgericht Klage einreichte, musste die Kirchenleitung die Ausschreibung stoppen. Im Juli hatte der Personalchef das Abberufungsverfahren gegen Quast eingeleitet, weil die Grundlage für die Vereinbarung mit der Klage nicht mehr gegeben war, wie er betonte. Bei vielen Gemeindegliedern hatte das wiederum für erheblichen Protest gesorgt. Auch Bischöfin Junkermann drohte Schaden zu nehmen. Sie wurde von vielen Kirchenmitgliedern aufgefordert, sich zu äußern. Frühwald selbst geriet in den letzten Wochen auch in Internet-Foren immer mehr in die Kritik. Der Verein "Hilfsstelle für evangelische Pfarrer" verweist auf Frühwalds Agieren in mindestens zwei weiteren Fällen, in denen er Pfarrer ablösen wollte, er aber vor Kirchengerichten gescheitert war.

Von Silke Janko, Magdeburger Volkstimme 18.8.2011

Im Dom droht geistliches Vakuum

In Magdeburg, das sich gerne auf das Renommee Guerickes und des Vakuums beruft, droht nun eine weitere große Leere zu entstehen. Was der Stolz der Stadt ist, ist das Dilemma ihrer Domgemeinde: Seit dem Angriff auf Ehre und Stellung von Pfarrer Quast durch die Personalführungsebene der EKM ist das Amt des Zweiten Dompredigers geschwächt und seine Dienstausübung eingeschränkt. Nun steht ein Abberufungsverfahren an, das in einer Beurlaubung oder Suspendierung Quasts enden könnte. Unterdessen wurde der für ein halbes Jahr eingestellte Vertretungspfarrer Ronny Hildebrandt an einen neuen Arbeitsplatz versetzt.

Wie geht es weiter, wenn das Verfahren zu Ungunsten von Pfarrer Quast entschieden wird? Soll die Kanzel im Dom Gastspielbühne für wechselnde Wanderprediger werden? Wird die Landesbischöfin sich von nun an Zeit nehmen, als Erste Dompredigerin höchstpersönlich die entstandenen Lücken bei Verkündigung und Seelsorge zu stopfen?

Doch vielleicht sollten sich die Mitglieder der Domgemeinde und die Bürger der Stadt nicht gar zu viele Gedanken machen. Die EKM verfügt ja mit dem in Personalangelegenheiten ausgewiesen tatkräftigen Oberkirchenrat Frühwald und seinen wertvollen Erfahrungen aus der Zeit seines privatwirtschaftlichen Engagements - 1998 gründete er die Unternehmens- und Personalberatung "frühwald & partner" - und der Ladensbischöfin als ehemaliger Personaldezernentin in Baden-Württemberg gerade im Bereich Personalführung über eine geballte Kompetenz.

Den Auftritt beim öffentlichkeitswirksamen Fernsehgottesdienst zum Abschluss der EKD-Synode am 7. November 2011 im Magdeburger Dom hat Bischöfin Junkermann jedenfalls schon einmal für sich allein reserviert. Pfarrer Quast schaut dann wieder aus den Sitzreihen zu. Aber das kennt er ja schon seit dem Gottesdienst zur  Wiederbeilegung der Gebeine von Königin Editha.

Brief an die Kirchenleitung der EKM

DGB Pressesprecher Becker würdigt Verdienste von Domprediger Quast

Bisher haben sich Vertreter der Magdeburger Öffentlichkeit in der Absetzungsaffäre Quast dezent im Hintergrund gehalten. Immerhin: die Grünen wagten im vergangenen Herbst einen schriftlichen Vorstoß, beschränken sich aber seitdem darauf, täglich in ihren Briefkasten zu schauen, ob vielleicht heute der Antwortbrief der Bischöfin eingetroffen ist.

Nun wird bekannt, dass Bernhard Becker, Pressereferent beim DGB Sachsen-Anhalt und Vorstandsmitglied im Offenen Kanal Magdeburg e.V., sich in einem Brief an die Kirchenleitung gewandt hat und darin die großen Verdienste von Giselher Quast ausdrücklich würdigt. Hier der Brief in seinem vollen Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Steinhäuser,

die öffentlich gewordenen Diskussionen um die Amtsenthebung des Magdeburger Dompredigers Giselher Quast beunruhigt auch viele ehrenamtliche und hauptberufliche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Nunmehr schon seit Monaten bleiben nachvollziehbare Gründe für die interessierte Öffentlichkeit im Dunkeln, zum Schaden des populären Dompredigers und zum Schaden für das Ansehen der Kirche. Wir unsererseits haben allen Grund, das für beide Seiten sehr zu bedauern.

Der frühere Vorsitzender des DGB-Landesverbandes Sachsen-Anhalt Dr. Jürgen Weißbach, selbst Theologe, konnte in den 1990er Jahren zu zahlreichen Frauen und Männern der evangelischen Landeskirchen für uns sehr hilfreiche Kontakte und sogar freundschaftliche Beziehungen aufbauen. Der damalige Bischof der Kirchenprovinz Sachsen Christoph Demke, der anhaltische Kirchenpräsident Helge Klassohn sowie zahlreiche Pastorinnen und Pastoren gehörten dazu. Ebenso soll der Theologe, Bürgerrechtler und spätere verdienstvolle Landtagsabgeordnete Hans-Jochen Tschiche ausdrücklich genannt werden.

Eine ganz besondere Rolle spielten dabei die damalige Dompredigerin Waltraud Zachhuber und der Domprediger Giselher Quast am Dom zu Magdeburg.

Giselher Quast steht mithin für jene Menschen in der Kirche, denen wir als DGB im Zusammenhang mit unseren gesellschaftspolitischen Aufgaben zu großem Dank verpflichtet sind.

Als Heinz-Werner Meyer 1990 das erste DGB-Landesbüro für Sachsen-Anhalt einrichtete und wir unsere Strukturen in der Folge erst aufbauen mussten, gehörten diese Kirchenleute zu unseren ersten und wichtigsten Gesprächspartnern – insbesondere wenn sie, wie viele von ihnen, eine besondere Fähigkeit zum Dialog und ein auf Vertrauen basierendes hohes Ansehen bei den Menschen in der DDR gehabt hatten. Den "Schutzraum Kirche" hätte es ohne mutige Pastorinnen und Pastoren nicht gegeben. Giselher Quast gehört, wie auch Waltraud Zachhuber, an prominenter Stelle zu diesen Kirchenleuten. Zu Recht sind beide in die in ganz Deutschland anerkannte "Chronik der Wende" eingegangen.

Domprediger Quast ist sich in besonderer Weise treu geblieben. Wir denken dabei auch an seine Moderatorenrolle bei den Demonstrationen gegen Sozialabbau 2004 in Magdeburg, als sich wieder viele Tausende verunsicherte Menschen auf dem Domplatz versammelten. Und wieder waren Kirchentüren für den Dialog geöffnet. Wir denken an viele gemeinsame Projekte, etwa in der Friedensarbeit, bei Demonstrationen gegen Neonazis, beim Engagement für Ausländerinnen und Ausländer oder den Schutz des Sonntags vor Kommerzialisierung.

Giselher Quast hat als Person und in seinem Amt als Domprediger wesentlich zur Stärkung zivilbürgerschaftlichen Engagements in Sachsen-Anhalt beigetragen. Für den DGB möchten wir das bezeugen. Und wir glauben, er hat damit auch der Kirche einen sehr guten, nachhaltig wirkenden Dienst erwiesen.

Mit der drohenden Entfernung Quasts vom Dom ist für viele Menschen in Magdeburg und Sachsen-Anhalt ein in turbulenten Zeiten wichtiges Kontinuum gefährdet: Das Vertrauen in die Kirche.

Wir schreiben Ihnen dies aus gegebenem Anlass und als Ausdruck unserer hohen Wertschätzung, die wir Kirchenleuten wie Giselher Quast aus den hier angedeuteten Gründen entgegenbringen. Und wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dies der Kirchenleitung der EKM aus dem Landesbüro des DGB übermitteln.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Becker

Siehe auch die ergänzenden Ausführungen von Bernhard Becker bei Edithas Kommentaren 

 

 

Twitterseite der Domgemeinde berichtet über Sinneswandel im Gemeindekirchenrat: Domprediger Quast soll bleiben

In ihren Einträgen vom 22. und 23. Juli 2011 verbreitet die Twitterseite der Domgemeinde, dass der Gemeindekirchenrat sich nun offen für einen Verbleib vom Pfarrer Quast am Magdeburger Dom ausgesprochen hat. Im Interesse der "Schadensbegrenzung" sei die Kirchenleitung darüber hinaus direkt gebeten worden, eine "zusätzliche Pfarrstelle für Geschäftsführung und Gemeindeentwicklung zu schaffen". Über diese Wende in den Querelen um den Zweiten Domprediger wurde die Domgemeinde im Gottesdienst am 10. Juli von der Vorsitzenden des GKR, Dr. Bettina Büttner, informiert. Die Twitterseite verweist auch auf einen Kurzbericht in der Kirchenzeitung Glaube + Heimat.


Info des GKR im GD am 10. Juli: GKR hat die Kirchenleitung um Verbleib von Dompred. #Quast gebeten (Beitrag "Glaube und Heimat", 17. Juli)
 

Neue Leserbriefe bei Glaube + Heimat: Mehr Unterstützung für Quast und weitere Kritik an der Kirchenleitung

"Es gibt immer einen, der ist Koch und einen, der ist Kellner, d.h. Personaldezernenten und Bischhöf(e)innen sind hoffentlich ordentliche Kellner. Koch aber ist die Gemeinde. Im Fall Quast wie in vielen gleichartigen Fällen der Anwendung des 'Ungedeihlichkeitsparagraphen von 1937', kommt es automatisch zu verhärteten Fronten und dann geht es weder um die Gemeinde noch um den Pfarrer(in), sondern darum, dass mit Hilfe von Mobbingmethoden der 'Kellner' das Spiel gewinnt. Inzwischen muss man deshalb davon ausgehen, dass Herr Frühwald in dieser Sache als 'befangen' anzusehen ist und von der Bearbeitung dieser Angelegenheit durch die Präsidentin des Amtes bzw. durch Kollegiumsbeschluss zu dispensieren ist."

Götz Boshamer, 22. Juli 2011, vollständiger Beitrag bei Glaube + Heimat

"Ist es nicht eigentlich das Wichtigste in einer Kirche, wenn ein Pfarrer die Herzen der Menschen erreicht und ihnen einen Zugung zum Glauben öffnen kann? Die Auseinandersetzung um die 'Amtsenthebung' ist für mich auch deshalb so schwer verständlich und richtet so großen Schaden an, weil die Stellungnahmen so schwammig sind, daß überhaupt nicht klar wird, was Herrn Quast eigentlich ankreidet wird.

Ich wünsche mir sehr, daß Herr Quast seine Stelle am Dom und seine Wohnung behalten wird. Und ich weiß, daß sich das mit mir noch viele andere wünschen."

Matthias Raupach, 25. Juli 2011, vollständiger Beitrag bei Glaube + Heimat

Leserbriefe bei Glaube + Heimat: Unterstützung für Domprediger Quast und kritische Fragen an die Kirchenleitung

Als Reaktion auf die Berichterstattung über die jüngste Negativwende in der Affäre Quast in der Kirchenzeitung Glaube + Heimat nehmen Leser zum lange schwelenden und kürzlich neu aufgeflammten Angriff auf Pfarrer Quast Stellung und richten dabei einen kritischen Blick auf das Rollen- und Leitungsverständnis der Kirchenverwaltung:

"Ich habe Giselher Quast als immer offenen, geradlinigen Christenmenschen erlebt. ... Dass er auch im geeinten Deutschland und der neu 'geordneten' Kirche eine Meinung hat und diese auch erkennen läßt, ist nach meinem Dafürhalten kein Grund, ihn zu verurteilen (wenn ich die Sache richtig verstehe, ist eine 'Abberufung' – oder sollte man sagen Amtsenthebung? – ein kirchenrechtlicher Akt, quasi ein Urteil, ganz früher sprach man wohl auch von Inquisition …). Wenn in unserer Kirche ein Konflikt nicht mehr ohne 'amtliche Entscheidung' gelöst werden kann, dann habe ich Angst um die Zukunft unserer Kirche!"

Christian Fleischhack, 6. Juli 2011. Vollständiger Text bei Glaube und Heimat

"Nach meiner Kenntnis hat die Visitation im vergangenen Jahr keine Abberufung des Dompfarrers Quast empfohlen und der Gemeindekirchenrat der Domgemeinde hat keinen Abberufungsbeschluss gefasst. Wir sind eine Kirche mit synodal-demokratischen Strukturen. Mit welchem 'Recht' wird dennoch die Abberufung von Giselher Quast als Dompfarrer betrieben? ... Warum wird nicht erst einmal der Weg beschritten, den die Visitationskommission empfohlen hat, um die 'Unstimmigkeiten' aus dem Weg zu räumen und die Kompetenzen in der Gemeindeführung besser zu klären?

Viele haben in dieser Angelegenheit einen Brief an die Kirchenleitung bzw. an die Bischöfin geschrieben. Es erfolgt keine Antwort. Über die Gründe des Schweigens kann man nur rätseln. Aber alle, die eine geistlich-seelsorgerliche Antwort erwartet haben, sind enttäuscht. Und da nicht einmal eine Eingangsbestätigung erfolgte, fühlen sich die Briefschreiben in ihrem Anliegen nicht ernst genommen. Auch der Brief des Magdeburger Pfarrkonvents blieb unbeantwortet."

Wilfried Blümner, 13. Juli 2011. Vollständiger Text bei Glaube und Heimat 

Kirchenamt will bis Ende September über das Schicksal von Pfarrer Quast entscheiden

Die Twitterseite der Madeburger Domgemeinde berichtet mit Bezug auf die Abkündigung im Gottesdienst vom 17. Juli, dass die Kirchenverwaltung ihre Entscheidung im Abberufungsverfahren gegen Domprediger Quast bis Ende September fällen will.

 

EKM Oberkirchenrat Steinhäuser empfiehlt Bürgern Zurückhaltung in der Demokratie

Nachdem in den letzten Tagen zahlreiche Menschen in Leserbriefen in der Magdeburger Volksstimme ihre Sorge und ihren Unmut zur Absetzungsaffäre um Domprediger Quast zum Ausdruck gebracht hatten, ergreift nun ein Mitglied EKM Führungsriege das Wort. Oberkirchenrat Albrecht Steinhäuser,  Beauftragter der Evangelischen Kirchen beim Landtag und bei der Landesregierung und  Vorsitzender der Versammlung der Medienanstalt Sachsen-Anhalt, äußert sich seinerseits per Leserbrief in Sachen Quast. Er empfiehlt dabei, die Sache nun endlich ruhen zu lassen. Deutschland sei zwar ein demokratisches Land, in dem jeder sagen und schreiben könne, was er denkt, aber - so wörtlich - es ist "nicht immer hilfreich, das dann tatsächlich auch zu tun". Weiterhin führt er aus:

1.) Die Menschen, die in Magdeburg Leserbriefe für Pfarrer Quast schreiben, wissen nicht, wovon sie reden.
2.) Die Kirchenleitung wird weiterhin nichts Konkretes über die Affäre sagen, und das dient allein dem Schutz von Pfarrer Quast.
3.) Seid getrost, wir und unsere unabhängigen Kirchengerichte werden schon alles richtig machen.
4.) Auch wenn dies ein demokratisches Land ist, in dem jede und jeder prinzipiell seine Meinung sagen kann, wäre es besser, die Quastverteidiger würden endlich den Mund halten.

Da reibt man sich verwundert die Augen. Ist das der Umgang "auf Augenhöhe und in Frieden", den Bischöfin Junkermann anlässlich der Eröffnung des neuen Landeskirchenamtes kürzlich in Aussicht stellte?

Angesichts der Illustration eines derart unzulänglichen Demokratieverständnisses eines Kirchenoberen sei daran erinnert, dass in diesem Land Transparenz, Rechenschaftspflicht und Dialog Grundvoraussetzungen für eine demokratische Lebensform sind. Und wenn schon ein Kirchenoberer von sich aus den Begriff "Demokratie" ins Gespräch bringt, dann sollte noch dies gesagt sein: Das Wort "Demokratie" bezeichnet eben gerade nicht die Herrschaft einer elitären Minderheit, die sich vorbehält, nach eigenem Gutdünken im Verborgenen zu agieren und engagierten Bürgerinnen und Bürgern nahelegt, besser den Mund zu halten. Das muss auch die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland verstehen.

Leserbrief von Albrecht Steinhäuser in der Volksstimme

Kirchenzeitung "Glaube + Heimat" berichtet über den aktuellen Stand im Fall Quast. Personaldezernent Frühwald: "Es gibt kein Zurück!"

"Am Ende sind alle beschädigt" -- Streit um die drohende Abberufung des Magdeburger Dompredigers Giselher Quast geht weiter.

Die Fronten sind verhärtet, ein neuer Kompromiss scheint nicht in Sicht. Nachdem in der letzten Woche bekannt geworden ist, dass das Landeskirchenamt das Abberufungsverfahren gegen den Magdeburger Domprediger Giselher Quast wieder aufgenommen hat, schlagen die Wellen erneut hoch. Am Montag stand das Thema auch auf der Tagesordnung im Gemeindekirchenrat. Das Gremium wolle sich jedoch in einem laufenden Verfahren vorab nicht dazu äußern, erklärte die Vorsitzende Bettina Büttner auf Anfrage. [hier weiter lesen]

Quelle: Glaube + Heimat, 4. Juli 2011

Quast-Affäre wird regional wahrgenommen

Inzwischen verfolgen auch andere Gemeinde das Vorgehen der EKM-Führung gegen Domprediger Quast. Die Webseite des Ev. Kirchspiels Kusey (Klötze) dokumentiert nun ebenfalls die Quast-Affäre: "Neues vom Dom" (Seite nicht mehr online).

Protest wegen der Abberufung von Giselher Quast
Domprediger hat die Kirche ins Leben zurückgebracht

Leserbriefe zur Abberufung des Magdeburger Dompredigers Giselher Quast, Volkstimme vom 2. Juli 2011:

Wie auf dem Bild in der Volksstimme am 29. Juni 2011 zu sehen, hat sich Herr Quast bei den Montagsdemonstrationen mutig vor uns gestellt. Sollte seine Abberufung in die Tat umgesetzt werden, wird es dieses Mal umgedreht sein – wir werden uns dann am Montag schützend vor ihn stellen und ich hoffe, es werden sich so viele Menschen finden, wie damals. Pfarrer Quast hat die Kirche ins Leben zurückgebracht, zu den Fans vom FCM, zu den Bikern, zu den Atheisten u. a. Er versteht es, mit seinen Predigten die Herzen anzurühren und den Glauben erlebbar zu machen.

Als Jesus im Garten Gethsemane verhaftet wurde, haben die Jünger geschlafen. Wir werden nicht schlafen.

Heidemarie Voigt, 39122 Magdeburg


Was für ein unwürdiges und fragwürdiges Verhalten offenbart sich in der Domgeschichte Magdeburg im Umgang mit dem langjährigen Domprediger Giselher Quast? Ohne aussagekräftige Begründung und ohne Information der Domgemeinde wird eine unehrenhafte Amtsregelung und Amtsenthebung angestrebt.

Eine jahrzehntelange Tradition im Spannungsfeld des Sozialismus können wohlbehütete Christen „in gemeindlicher Gedeihlichkeit" nicht ermessen, ebenso den verdienten Anteil vieler Pastoren an den großen politischen Wandlungen bis zur Einheit Deutschlands.

Es entsteht der Eindruck, die Gewinner der Einheit sind nicht diejenigen, die Kopf und Kragen riskiert haben, die sich bewährt haben und vertrauenswürdig mit Land und Leuten verbunden sind und gleichzeitig der Tradition der Kirche in einer modernen Welt in christlichem Verständnis verpflichtet.

Mögen wir  "auf Augenhöhe und in Frieden miteinander umgehen", so Frau Junkermann anlässlich der Einweihung des Landeskirchenamtes in Erfurt, Juni 2011.

G. Bilsing, 39104 Magdeburg

Quelle: Magdeburger Volksstimme, 2. Juli 2011

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